DENKMAL FÜR DIE OPFER DES PARAGRAPHEN 175a

Der Paragraph 175, stand als der sogenannte "Homosexuellenparagraph" im deutschen Strafgesetzbuch von 1872 bis 1994.
In der Version "§ 175a" existierte er zwischen 1935 und 1945.
Während dieser 10 Jahre war der "Homosexuellenparagraph" vollends zum Unrechtsparagraphen gemacht worden.
Einserseits waren die Strafen dramatisch verschärft worden, andererseits waren die Kriterien für die Strafen entsprechend aufgeweicht worden.
Im Endeffekt war der § 175a 1935 zum perfekten und für die Nazis typischen Terrorinstrument gemacht worden, weil mit ihm bis 1945 praktisch jeder Mann zu praktisch jeder Strafe verurteilt werden konnte - also auch ganz beseitigt werden konnte - unter gleichzeitiger Wahrung des rechtsstaatlichen Scheins.
Dieses Vorgehen erinnert mich so sehr an das des sogenannten "Islamischen Staates", dass ich die Köpfe der zehn Männer ohne Hälse und Rümpfe in einer Linie nebeneinander gelegt habe.
Freilich liegen sie dichter beieinander, als das biologisch möglich wäre. In dem bwereich, in welchem sich die Ohren befanden, habe ich sie miteinander verschmolzen.
Kein Bildhauer käme wohl auf die Idee einem Kopf nicht nur die Ohren, sondern gleich noch eine "Randscheibe" des Kopfes mit abzuschneiden. Im Bereich der Bildbearbeitung der Passfotos, welche meinen Portraits zu Grunde liegen ist das hingegen Alltag.
Somit ist meine Strecke von 10 Köpfen eigentlich eine dreidimensionalisierte Fotomontage.
Ausgangspunkte waren 10 Passfotos von Männern um Jahrgang 1900. Ein Buchenwaldhäftling, vier Beispiele aus einer "Rassenlehre" von 1926 und fünf Elsässer oder Lothringer aus Dachau.
Die vermeintliche Homosexualität dieser Männer hat bei ihrer Auswahl für das Monument genau die selbe Rolle gespielt, wie bei der Anwendung des Paragraphen 175a, nämlich gar keine.
Zehn Männer sind es deshalb, weil sich die Häftlinge in den deutschen Lagern, in Zehnerreihen aufstellen mussten. Das erleichterte dem SS das Abzählen. Siebenerreihen wären wohl zu schwierig gewesen.
Das Stehen auf dem Apellplatz war ein alltägliches Folter- und Mordinstrument der Deutschen gewesen, wird aber als Solches noch kaum wahrgenommen und ist in seiner tödlichen Grausamkeit noch vollkommen unterschätzt.
Deshalb habe ich es in diesem Relief als "Liegen der Köpfe" zum Motiv gemacht.
Die Köpfe sind alle fotorealistische, gut wiedererkennbare Dreidimensionalisierungen der Fotovorlagen und von etwa vierfacher Lebensgröße.

Zum Werk gehören neben der Skulptur die Facebook-Seite "Denkmal für die Opfer des §175a".

Format:  
Länge: 241cm
Breite: 76 cm
Tiefe: 25 cm
Gewicht: ca. 90 kg
   
Entstehungsjahr: 2014
Material: Aluminiumguss
Gießerei: Glassl Metallguss, Michelstadt im Odenwald

 

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