GEBOTSNIESCHE

... ehemals über dem Portal der Synagoge zu Glatz.

Als ich die Fotos Günter Veits vom Abbrand der Synagoge zum ersten mal betrachtete, fiel mir der Nieschenfries über dem Portal auf. Mir war sofort klar, dass es zehn Nieschen sein mussten und dass diese die zehn Gebote repräsentierten. Hiedurch wurde mir klar, das der Brandanschlag auf die Synagoge als ein Anschlag auf die ethischen Grundlagen des christlich/jüdischen Menschenbildes gemeint waren. Es handelte sich also nicht nur um Vandalismus gegen Immobilien, sondern es sollte die Ordnung abgeschafft werden, nach der alle Menschen als Kinder Gottes Geschwister sind und an das gottgegebene Existenzrecht der Menschen weder materielle, noch ideologische oder ethnische Bedingungen zu knüpfen sind. Durch diese Gebotsnieschen verstand ich, dass der Brandanschlag auf die deutschen Synagogen weit mehr als nur ein barbarischer Akt der deutschen Geschichte war, sondern eine Bedeutung für alle Bewohner dieser Welt hat, die sich alle darauf verlassen müssen, dass ihnen ihr Recht auf Existenz nicht abgestritten wird.

Also musste ich eine dieser Gebotsnieschen wieder genau so sichtbar machen, wie sie einst über dem Portal der Synagoge zu sehen waren.

Ich wählte die Niesche ganz links aus. Nach hebräischer Schreib- und Lesart repräsentiert sie das zehnte Gebot: Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh noch alles, was dein Nächster hat.

Format:  
Höhe: ca. 30 cm
Breite: ca. 28 cm
Tiefe: ca. 15 cm
Gewicht: ca. 22 kg
   
Entstehung: Oktober 2016
Material: Aluminiumguss, teilweise farbig gefasst
Gießerei: Glassl Metallguss, Michelstadt im Odenwald

 

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