DEGESCH

DEGESCH ist eine Abkürzung für Deutsche-Gesellschaft. Zumindest bei mir ist es das. Es gibt eine Firma dieses Namens, die das Giftgas Zyklon-B für die deutschen Vernichtungslager, insbesondere Auschwitz, erfunden und hergestellt hat. Erfinder war ein Dr. Gerhard Peters (https://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Peters ). Ich konnte seinen gedruckten und broschierten Vortrag über dieses Zeugs von 1933 im Original auftreiben. Aus dieser Publikation stammen auch die beiden Fotos von den Giftgasdosen und dem Anwender mit Gasmaske. Das Werbefoto beeindruckte mich besonders, weil es belegt, dass spätestens ab 1933 jedermann von dem Gift Kenntnis haben konnte, der eine der Zeitschriften las, in denen für das Produkt geworben wurde. Es war also alles andere als ein Geheimnis und auf seine Giftigkeit für Menschen wurde schon auf dem Etikett groß und breit hingewiesen. Wie übrigens auch der erste Teil des Vortrages (incl. Vorwort) fast ausschließlich der Beschreibung der Toxizität des Zyklon für Menschen gewidmet ist. Bis zu einer detaillierten Beschreibung des Sterbens von Menschen an einer Cyanvergiftung in drei Schritten.

Überhaupt muss den Menschen der NS-Zeit diese perverse Mordmethode nicht besonders fremd gewesen sein. Zumindest bekommt man diesen Eindruck, wenn man sich die Feldpostkarte aus dem ersten Weltkrieg anschaut: RUSSENEINBRUCH - diese Russen sind hier Kakerlaken am Boden. Der brave Landser zertrampelt sie mit seinen klobigen Knobelbecher-Stiefeln. Zu Hilfe kommt ihm ein Fässchen "Rauchloses Insektenpulver". Rauchloses Insektenpulver gegen Menschen, die man zu Insekten erklärte - worin besteht der substantielle Unterschied zu den Massenmorden an Juden und Anderen in den Gaskammern der Nazis?

Da wir Heutigen dieses Sterben nur aus der Perspektive der Spanner am Spion der Gaskammertür kennen - die Menschen auf der anderen Seite haben ja alle nicht überlebt - nahm ich das Werbefoto zum Anlass, den heutigen Betrachter einmal virtuell auf der tödlichen Seite des Spions "mit dem Giftgas allein zu Hause" sein zu lassen. Um dieses Gefühl zu steigern, brachte ich auf dem auf Alu-Dibond gedruckten Foto einen Spion aus einer 25 mm Glaslinse aus einem Objektiv einer alten Super-8-Kamera an. Im Gegensatz zum mit gedruckten Foto des Glases, bewegen sich hier auf dem echten Material die Lichtreflexe mit dem sich vor dem Bild bewegenden Betrachter.

Da ich aber befürchten muss, dass dieses Signal noch immer viel zu schwach ist um zu uns Heutigen vor zu dringen, habe ich zusätzlich zwei Gasmasken gemacht. Eine für Erwachsene, eine für Kinder. Adapter und Beriemung sind identisch. Gummimaske, Augengläser und Filter sind verschieden groß. Die Filter sind beide Zyklon-Giftgas-Büchsen. So verwandeln sich die Gasmasken in ein-Personen-Gaskammern. Eine absolut widerlich perfide Einrichtung. Eine Gasmaske mag fast jeder schon einmal getragen haben, oder sich zumindest auf dem eigenen Gesicht vorstellen können. Vielleicht kann man sich so auch vorstellen, wie es ist zum Einatmen des Giftgases gezwungen zu sein - wie in einer NS-Gaskammer?

Ich habe mit diesen Gaskammer-Masken eine Vater-/Mutter-Tochter-Szene dargestellt. Die Beriemung der Kindermaske ist so geformt, dass sich quasi ein Lockenköpfchen mit Pferdeschwanz ergibt.

Das Foto und diese Skulpturen-Gruppe gehören zusammen.

Format: Foto
Länge: ca. 100 cm
Höhe: ca. 100 cm
   
Format: Gasmaske groß
Länge: ca. 63 cm
Breite: ca. 30 cm
Höhe: ca. 43 cm
Gewicht: ca. 27 kg
Material: Aluminiumgiuss, teilweise gefasst, teilweise in der Gusshaut.
   
Format: Gasmaske klein
Länge: ca. 40 cm
Breite: ca. 30 cm
Höhe: ca. 35 cm
Gewicht: ca. 15 kg
Material: Aluminiumgiuss, teilweise gefasst, teilweise in der Gusshaut.
   
Entstehung: März 2017
Gießerei: Glassl Metallguss, Michelstadt im Odenwald

 

Zurück