ABSCHIED VON EINEM UNBEKANNTEN, BETONSCHÄDEL

Der BETONSCHÄDEL war das eigentliche Ziel der zweiten Gesichtsrekonstruktion, welche bewusst die männlichen Attribute des Gesichtes stärker betont, als der Schädelknochen das zu rechtfertigen scheint und damit nicht wirklich eine Gesichtsrekonstruktion zu sein für sich in Anspruch nehmen kann.

Den Schädel aus Beton brauchte ich, um an ihn als etwas vollkommen Anderes "die Schuld des Toten" an zu fügen. Diese wollte ich als eine Art "Anfaftung" gestalten, die den Kopf des Toten rückwärts nach hinten zu ziehen scheint, während es so aussieht, als wolle er selbst nach vorne und oben entweichen. Beton erschien mir das geeignetste Material, weil er einen Aluminiumanguss mit gut 800°C aushalten würde. Allerdings nur, wenn er aus Beton mit Schamott statt mit Kies als Zuschlag gegossen wäre und wenn er vor dem Aluminiumanguss hunderprozentig wasserfrei wäre.

So produzierte ich in der Styroporschale der zweiten Gesichtsrekonstruktion aus "Feuerbeton", den ich zwei Wochen lang in der Form hatte reifen lassen, den Betonschädel. Anschließend trocknete ich ihn im Backofen und übergab ihn der Gießerei, die ihn im Tiegel über die Bronze-Schmelze in einem Metallofen hängten und so vollkommen austrockneten. Es war wichtig, dass diejenigen diese Trocknung vornahmen und verantworteten, welche später das Aluminium an den Betonschädel gießen würden, denn die geringste Feuchtigkeit im Stein hätte im Guss zu einer Explosion führen können, durch welche den Gießern die Form mitsamt Beton und flüssigen Metall um die Ohren geflogen wären.

Die Styroporanhaftungen an den Betonschädel liefen schließlich auf eine Art Schatten-Schraffur hinaus. Leider habe ich den schwierigen Formfindungsprozess nicht dokumentiert.

Format:  
Höhe: ca. 20 cm
Breite: ca. 35 cm
Länge: ca. 25 cm
Gewicht: ca. 10 kg
   
Entstehung: Dezember 2012
Material: Feuerbeton und Aluminiumguss
Gießerei: Glassl Metallguss, Michelstadt im Odenwald

 

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