ABSCHIED VON EINEM UNBEKANNTEN, JOSEF JAKUBOWSKI

JOSEF JAKUBOWSKI konnte das Projekt ABSCHIED VON EINEM UNBEKANNTEN erst dadurch werden, dass ich durch Zufall im Internet eine Seite fand, auf der die Hingerichteten der Weimarer Zeit aufgelistet werden:

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_im_Deutschen_Reich_hingerichteten_Personen

Von dem gesuchten Toten ist - auch durch Prof. Dr. Dr. Urban von der Gerichtsmedizin in Mainz - bekannt, dass es sich um einen hingerichteten Mann handelt, wie seine Kopfform ist und dass er ca. dreißigjährig exekutiert wurde.

Nur das Verbrechen, für das er getötet worden war, war mir noch nicht bekannt.

Während der Weimarer Republik wurden mehrere Männer hingerichtet, auf die das gegebene Profiel zutreffen könnte. Einige, die bekannten Fälle sind in der Wikipedia-Liste aufgeführt. Obwohl die Wahrscheinlichkeit gering ist, dass der Tote zu diesen 12 von 184 Schicksalen gehört, hatte ich keine Wahl als ihn unter diesen knapp 10% zu suchen. Zunächst suchte ich nach einem Hingerichteten um dreißig Jahre und dann nach Fotos der Männer.

Schließlich entschied ich mich für Josef Jakubowski - sicher nicht zuletzt, weil er der Einzige ist der erwisenermaßen unschuldig geköpft worden war.

Zu Josef Jakubowski lieferte Google das Foto eines jungen Mannes, dessen Physiognomie ausgezeichnet zu der meines Schädels zu passen schien.

Also ging ich an eine dritte Gesichtsrekonstruktion, der ich Nase, Augenlider, Lippen, Ohren und Haupthaar nach Vorlage dieses Fotos gab. Je weiter die Arbeit vortschritt, desto deutlicher wurde, dass es sich bei dem Portraitierten und dem ehemaligen Besitzer des Schädels um zwei verschiedene - wenn auch möglicherweise verwandte - Personen gehandelt haben muss. Ein Freun ermittelte, dass das Foto von Josef Jakubowski, das mir Googel angezeigt hat, von einer Frau S. Jakubowski in´s Netz gestellt worden ist und einen Josef Großkopf zeigt. Wäre bei der Gesichtsrekonstuktion nach Vorlage des Fotos also die selbe Person entstanden, hätte diese nicht Josef Jakubowski sein können. Ich rief die Witwe des Zahnarztes an, aus dessen Nachlass der Schädel stammt und bat sie, mir - nachdem sie mir schon von der falschen Fährte nach Auschwitz herunter geholfen hatte - mir jetzt von der falschen Fährte zu Josef Jakubowski herunter zu helfen. Dies wurde mir jedoch versagt, weil das Verbrechen für das "die Frau" (der Schädel aus der Praxis) KINDSMORD gewesen war. Wenn Kindsmord ein weiteres Kriterium bei der Suche nach dem Hingerichteten aus der Weimarer Republik ist, kommt nur noch Josef Jakubowski in Frage, denn Kindsmord ist ein "typisch weibliches" Verbrechen, das bei Männern praktisch nicht vorkommt, bzw. nicht so genannt wird. Wenn Männer Kinder ermorden steht das in aller Regel im Zusammenhang mit einem Sexualverbrechen und in aller Regel sind diese Triebtäter Serienmörder, da sie in aller Regel nicht nach ihrem aller ersten Verbrechen gefasst werden. Schließlich ist Josef Jakubowski zu unrecht als Kindsmörder hingerichtet worden. Die eigentliche Täterin ist die Großmutter des Opfers. Die Großmutter veranlasste ihren Sohn zu dem Mord an ihrem Enkel.

Weitere Bildrecherchen ergaben ein ziemlich schlechtes, gerastertes Zeitungsfoto von den Eltern Josef Jakubowskis. Ich meine beim Vater dien Kiefedrehung zu erkennen, die man auch am fraglichen Schädel, wohl dem seines Sohnen sieht. Ein weiteres Fotos war ein übermäßig stark (und schlecht) retouchiertes Bild aus der einzigen zeitgenössischen Publikation des Justizmordes an Josef Jakubowski von 1929, so wie ein Foto des Schauspielers Georg Beckhaus, der Josef Jakubowski 1964 für einen ZDF-Krimi verkörperte, in dem es um die Rekonstruktion eines "Justizirrtums" ging. Beckhaus Physiognomie war eine ganz andere als die des Hingerichteten, dessen Schädel mir vorliegt. Allein Beckhaus Mütze als Josef Jakubowski entspricht der auf dem retouchierten Foto Jakubowskis. In der DDR war der selbe Stoff schon 1962 verfilmt worden. Sehr vieltreffender als Justizmord, der er war. Hier war der Hauptdarsteller Siemion Wojciech. Beim Casting des Hauptdarstellers hätte die DEFA womöglich auf originale Polizeifotos von Josef Jakubowski zurück greifen können, die sich in Neustrelitz befunden haben dürften, wo der Mordprozess gegen Josef Jakubowski begangen worden war. Siemion Wojciechs Züge jeden Falls, entsprechen denen des Mannes, dessen Gesicht ich auf Grundlage seinenes Schädels rekonstruiert hatte in geradezu verblüffender Weise.

In der Rechtsmedizin der Universität Mainz hat man eine DNA-Extraktion aus einem der Backenzähne des Schädels versucht, dabei aber nur feststellen können, dass der Schädel durch Auskochen entfettet worden ist. Dabei ist leider sämtliche DNA zerstört worden. Heute ist es nicht mehr möglich die Identität des Mannes, dessen Schädel wir haben, naturwissenschaftlich zu klären. Wir sind auf Indizien angewiesen. Nach diesen handelt es sich um Josef Jakubowskis Schädel.

Eine letzte offene Frage wäre noch die nach den Umständen, die dazu führten, dass der Schädel Josef Jakubowskis aus der Anatomie der Universität Rostock in den Odenwald gelangt war?

Laut der Witwe des Zahnarztes, aus dessen nachlass der Schädel (Josef Jakubowskis?) stammt, hatte diesen der Großvater des verstorbenen Zahnarztes erhalten. Er hatte 1899 seine Aprobation als Arzt an der Universität Heidelberg bekommen. Zusammen mit einem Kommilitonen, der ein Gefängnisarzt wurde. Leider ist es heute nicht mehr möglich den Namen dieses Gefängnisarztes zu ermitteln, weil das Familienarchiv bei der Auflösung der Praxis unter gegangen ist. Wenn man den Namen aber wirklich heraus finden will, sollte das über die Uni Heidelberg möglich sein. Und wer weiß, vielleicht stellt sich dann heraus, dass genau dieser Gefängnisarzt und Kommilitone des Odenwälder Zahnarztes im Raum Schwerin/Neustrelitz/Rostock zu tun hatte?

Format:  
Höhe: 23 cm
Breite: 33 cm
Länge: 30 cm
Gewicht: 2 kg
   
Entstehung: Mai/Juni 2014
Material: Aluminiumguss, teilweise weiß
Gießerei: Glassl Metallguss, Michelstadt im Odenwald

 

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