HEIMATVERTRIEBENEN SUDETENDEUTSCHEN

HEIMATVERTRIEBENE SUDETENDEUTSCHE ist eine Reaktion auf den Fund des überwiegend deutschsprachigen Werkes: "Die Juden und Judengemeinden Böhmens in Vergangenheit und Gegenwart" von Hugo Gold aus Prag im Jahre 1934.

Dieses umfassende Dokument hat sich als ein Vermächtnis erwiesen. Nur 8 Jahre später wurden die Angehörigen der deutschen Minderheit in Tschechien, von deren Geschichte dieses Werk Zeugnis ablegt, von den Deutschen des angrenzenden Reiches, von Prag aus in die Vernichtungslager im Osten deportiert und dort ermordet. Zehn dieser Personen habe ich exemplarisch vorgestellt. Wegen der vielen Namensgleichheiten ist es mir nicht gelungen sie auf den Deportationslisten zu identifizieren. Ihr genaues Schicksal bleibt ungeklärt. Sie sind spurlos verschwunden, von ihnen ist außer den Namen und den gerasterten, kleinen Passbildchen in dem Buch nichts geblieben. Mehr als von unzähligen anderen NS-Opfern.

Zu ihrem Gedächtnis habe ich ihre Portraits auf Silhouetten reduziert, die ich aus Hartfaserpappen ausgesägt habe. Diese "Pappkameraden" stellte ich mit 10 mm Abstand vor Glastäfelchen von 270 x 355 mm auf. und davor installierte ich (Klettergerüst) ein Stahlrohr, das ich mit der Schruppscheibe der Flex malträtirte. Der entstehende, scharfe Strahl aus weiß/orange glühenden Stahlsplittern ("In Stahlgewittern") war dabei unmittelbar auf die Glastafeln gerichtet. Die glühenden Stahlsplitter schmolzen sich schwarz-grau  in die Oberfläche des Glases ein. Nur dort nicht, wo die Papp-Silouette die Glasplatte schützte. Wegen des Abstandes von 10 mm zum Glas, entstand keine harte Grenze zwischen bestrahlter und klarer Fläche, sondern eine weiche, sfumato Übergangszone. Das Bild wurde nochmals etwas unschärfer. So bestrahlte ich die Glastafeln von beiden Seiten.

Nach den Stahl-bestrahlten Glastafeln fertigte ich Rostumdrucke auf Nessel an, welche dazu führten, dass die grau-schwarzen Gläser rostrot wurden und wie verrostetes Blech aussehen.

Anschließend ließ ich weiß lackierte, halbe Kugeln auf die Glas-Rost-Tafeln fallen und fixierte sie so, wie sie zufällig liegen geblieben waren mit Silikon. Auf der anderen Seite der Tafel brachte ich die Gegenstücke an, so dass es aussieht, als flögen weißen Kugeln durch eine Rostwolke hindurch. Mehr ist nicht geblieben. Ein bißchen Materie im Nirgendwo, ein Schatten des Abbildes und der Name.

Diesen brachte ich im Hochrelief auf dem Konsol-Sockel aus Aluminiumguss an, welcher die Glastafel hält. Der Sockel ist weiß, der Namenszug Alu-silbern heraus geschliffen.

Formate je:  
Länge: 495 mm
Breite: 270 mm
Höhe: 105 mm
   
Entstehung: Juni 3013
Material: Glas, Rost, Aluminiumguss (gefasst und teilweise poliert)
Gießerei: Glassl Metallguss, Michelstadt im Odenwald

 

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