FRIENDLY FIRE RELOADED

Ausgangspunkt und Grundlage von FRIENDLY-FIRE-RELOADED ist eine Fotopostkarte aus dem ersten Weltkrieg (1916). Sie zeigt einen Chirurgen in seinem Lazarett in Greiz (heute Thüringen), auf einem Heizkörper sitzend. Links neben ihm ein einfacher Stuhl - vielleicht für seine Patienten? - rechts neben ihm ein Tisch mit Decken und Sandsäcken - vielleicht zum fixieren der verletzten Glieder seiner Patienten während der Röntgenaufnahme. Über, hinter ihm zwei Karten des nördlichen Kriegsschauplatzes (Belgien und Nordfrankreich) sowie 12 erkennbare Röntgenaufnahmen - wohl von Kriegsverletzungen, die man vereinzelt sogar recht gut erkennen kann. Diese winzigen Röntgenbilder habe ich herausgearbeitet und stark vergrößert. Vielleicht sogat auf das Originalmaß und zu Skulpturen vor der Wand umgearbeitet.

Das Röntgebild des frontal gesehenen Schädels kommt an der Wand des Lazaretts zwei mal vor. Einmal ist es als Wandskulptur zu sehen. Die Doublette ist der Schattenwurf des Januskopfes, der in diesem Zyklus die Stelle des Chirurgen einnimmt.

Widerpart dieser Zeugnisse technischer Einwirkungen auf den menschlichen Körper, ist die Skulptur eines 35 cm Mörsergeschützes von 1911. Dieses Geschütz habe ich in seinen sichtbaren Elementen nach Fotos minutiös rekonstruiert und in Aluminiumguss hergestellt. In der Ausstellung wird es ergänzt um eine in Aluminiumguss, dreidimensional umgesetzte Projektion seines Schattens.

Insbesondere Männer haben eins sehr starke Affinität zu der Mörser-Skulptur. Sie versuchen zu drehen und zu schwenken und das Objekt irgendwie in Funktion zu setzen. Für die Röntgenbild-Skulpturen haben sie in aller Regel erheblich weniger Interesse. Sie sind enttäuscht, wenn sie feststellen, dass es sich nicht um ein Modell, sondern "nur" um eine Skulptur handelt. Unter der Skulptur ist ein starker Spot installiert, der einen wirklichen Schatten der Kanone an der Decke erscheinen lässt.

Format:  
Höhe: 13 cm
Breite: ca. 23 cm bis ca. 45 cm
Länge: ca. 29 cm bis ca. 40 cm
Gewicht: ca. 3 kg bis 10 kg
   
Entstehung: Mai 2015
Material: Aluminiumguss
Gießerei: Glassl Metallguss, Michelstadt im Odenwald

 

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